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Franziska Wieber - proPHN - junges Forum Public Health Nutrition


Interview geführt von Emilie


Liebe Franzi, du studierst Public Health Nutrition in Fulda und bist dort sehr engagiert dabei.

Lass uns zuerst über dein Studium reden: In welchem Fach hast du deinen Bachelor absolviert und warum hast du dich dann für einen Master in PHN entschieden?

Mein Name ist Franziska Wieber und ich studiere momentan im 3. Semester den Master Public Health Nutrition in Fulda. Meinen Bachelor in Ernährungsmanagement und Diätetik habe ich in Hohenheim (Stuttgart) gemacht. Dort ging es sehr viel um die Behandlung von Krankheiten durch Ernährung und die Ernährungsberatung an der einzelnen Person. Eine Möglichkeit danach wäre es gewesen, sich als Ernährungsberaterin selbstständig zu machen.

Da kein Pflichtpraktikum vorgesehen war, habe ich in den Ferien eigenständig nach Praktika gesucht und eines bei der Ernährungsberatung Rheinland-Pfalz bekommen, die an die Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Rheinland-Pfalz geknüpft ist. Dort habe ich für mich herausgefunden, dass ich in den Bereich der Gemeinschaftsverpflegung gehen will. Also nicht die einzelne Person beraten, sondern eher in Betrieben, Altersheimen etc. Ernährungsberatung durchführen will. So bin ich auf den Studiengang Public Health Nutrition gestoßen, der diese Seiten miteinander verbindet: es werden Möglichkeiten der Prävention und Beratung auf der Bevölkerungsebene angesprochen und erarbeitet.

Was ist denn das Besondere an dem Studiengang PHN im Vergleich zu einem klassischen Ernährungs-Master? Spürt man den Unterschied zwischen einer Universität und einer Hochschule stark?

In Fulda wird die öffentliche Herangehensweise an die Gesundheit mit der Ernährung verknüpft, das ist in Deutschland einzigartig. Public Health als Disziplin betrachtet die Gesundheit von allen Aspekten und bei Public Health Nutrition wird direkt darauf eingegangen, wie die Gesundheit der Bevölkerung über die Ernährung verändert und verbessert werden kann.

Der Unterschied zu einem „klassischen“ Ernährungs-Master besteht meiner Meinung nach darin, dass wir viele Public Health Aspekte einbeziehen, also die Gesundheit als Ganzes betrachten und auch viele Einflussfaktoren auf Gesundheit. Ich denke in andren Studiengängen wird die Ernährung als Grundgedanke verwendet und wir gehen bei PHN von Gesundheit als ganzheitlichem Phänomen aus, das durch viele verschiedene Faktoren beeinflusst wird.

Da ich vorher zwar an einer Universität, aber dort in einem sehr kleinen Studiengang (40 Studierende) war, ist der Unterschied nicht sehr groß. In Hohenheim gab es auch viele Praxisteile (diätetisches Kochen). In Fulda in PHN ist es eher so, dass man noch mehr auf sich gestellt ist und viele Aufgaben zu Hause löst und im Unterricht einen großen Teil beitragen kann. Es gibt keine wirkliche Vorlesung mehr, sondern wir Studierende sind in jedem Seminar aktiv eingebunden.

Was hat dir an deiner Studienlaufbahn gefallen und was eher nicht? Würdest du dich nochmal für diesen Weg entscheiden?

Der Bachelor war genau der richtige Einstieg für mich, da ich einerseits nicht die Ausbildung zur Diätassistentin wollte (das Praktikum in einer Krankenhausküche hat mir nicht ganz zugesagt), andererseits aber auch nicht im Labor stehen wollte (was bei Ernährungswissenschaften der Fall gewesen wäre). So konnte ich im Bachelor genau die Inhalte lernen, die mich auch interessiert haben.

Ich würde jederzeit wieder einen Master hinter den Studiengang Ernährungsmanagement und Diätetik setzen, da sich hier doch viele Inhalte festigen und man einen besseren Gesamteindruck erhält.

Inhaltlich hätte ich mir sogar noch mehr vom Master erhofft, das ist aber denke ich aufgrund der Umstellung Diplom – Bachelor/Master für die Hochschulen/Unis momentan noch schwierig abzuschätzen, wer welche Inhalte hatte. Dafür, dass wir im Master PHN aus sehr vielen verschiedenen Bachelorstudiengängen und Universitäten/anderen Hochschulen gekommen sind, wurden wir gut alle auf einen Stand gebracht.

Aktuell engagierst du dich stark bei proPHN, das auch in der ErnährungsUmschau oft erwähnt wird. Wie ich es verstanden habe, ist ProPHN ein Forschungsprojekt der Masterstudierenden in Fulda. Was genau wollt ihr mit damit erreichen und mit welchen konkreten Schritten versucht ihr, an diese Ziele zu kommen?

Im Master PHN wählt jeder Studierende ein Forschungsprojekt aus vier möglichen aus. Ich habe das Projekt proPHN gewählt, um mich vermehrt für den Studiengang und die Fachdisziplin einzusetzen.

Der Hauptteil des Projekts besteht darin eine Fachtagung für Studierende und junge Absolventen zu organisieren. Die Fachtagung nennt sich Junges Forum PHN.

Den Studierenden wird dabei freie Hand bei Thema, Vorträgen, Raum und Verpflegung gelassen. Was andererseits aber bedeutet, dass auch alles von uns organisiert werden musste. Am Anfang stand also die Themensuche, Raumorganisation, Referentensuche und vor allem die Suche nach möglichen Sponsoren (es gibt ein kleines Budget für jedes Projekt, doch damit lässt sich keine Fachtagung ausrichten).

Das Ziel des Jungen Forums PHN ist es, Absolventen und Studierende von PHN zusammenzubringen und einen Austausch zu ermöglichen. Es werden auch verschiedene Arbeitgeber eingeladen, um den Berufseinstieg zu vereinfachen und Kontakte zu knüpfen. Die Vorträge stehen immer unter einen PHN-Thema.

Neben dem Ausrichten der Fachtagung gehört zu den Aufgaben von proPHN die Darstellung des Studiengangs und der Fachdisziplin an der Hochschule (z.B. in den Bachelorstudiengängen) aber auch an Messen/anderen Veranstaltungen. Ziel ist es hierbei, die Fachrichtung in Deutschland bekannter zu machen. Mittlerweile gibt es, wie du schon erwähntest, eine Fachrichtung PHN bei der DGE und eine Online-Rubrik PHN bei der ErnährungsUmschau.

Wahnsinn! Und was willst du nach deinem Master machen? Wo siehst du dich in der Zukunft?

Das ist relativ einfach, da ich nebenbei schon bei der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung in Rheinland-Pfalz mittlerweile arbeite. Nach meinem Praktikum dort hat sich letztes Jahr eine Projektstelle für 2 Jahre dort ergeben und ich habe mich spontan beworben. Der Präsenszeit in Fulda ist von Montag bis Mittwochvormittag, sodass den Rest der Woche etwas Zeit bleibt (mehr oder weniger, da viele Hausaufgaben zu erledigen sind). Ich habe dann also eine halbe Stelle bei der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung RLP angefangen und erhoffe mir, auch nach dem Master dort bleiben zu können.

Momentan bin ich an der Konzeption der Masterarbeit zusammen mit der Hochschule und der Vernetzungsstelle.

Dort arbeite ich in direktem Kontakt mit Kitas und Schulen und berate diese zum Beispiel bei der Umsetzung von Ernährungsbildungsmaßnahmen oder in verschiedenen Qualifizierungsprozessen.

Nach Auslauf meiner Projektstelle wird ein anderes Projekt zu einem anderen Thema dort weitergeführt, sodass ich mir vorstellen kann dort weiter mit Kitas und Schulen zu arbeiten.

Ich habe noch eine allgemein Frage: Was meinst du: Wie können wir ErnährungswissenschaftlerInnen die Welt besser machen? Warum braucht es uns so dringend?

Ich habe im Bachelor ziemlich schnell für mich entschieden, dass ich in der Ernährungsberatung an der Einzelperson nicht gut aufgehoben bin. Dennoch ist eine gesunde Ernährung und Bewegung sehr wichtig, da sie einen großen Einfluss auf die Gesundheit haben. Ich für mich habe deshalb entschieden, dass ich gerade die Arbeit mit Kitas und Schulen weiterführen will, da von klein auf noch das meiste getan werden kann und man eine große Veränderung in den Einrichtungen bewirken kann. Wenn es in den Gemeinschaftseinrichtungen läuft, nehmen viele Kinder das mit nach Hause und vermitteln es so auch ihren Eltern.

Hast du zum Schluss noch einen Tipp für andere junge ErnährungswissenschaftlerInnen? Hast du etwas gelernt, das du gerne weitergeben möchtest?

Auf jeden Fall sollte man die Modulbeschreibung des ausgewählten Studiengangs vor Beginn des Studiums anschauen, dabei kann man schon gut an den Modulen erkennen, ob das Studium etwas für einen ist. Und gerade bei dem Thema Ernährung muss man auch selbst dahinter stehen und das Ganze wollen.

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