Anne-Carin Heit – Ernährungswissenschaftlerin und Gründerin von Smart Food Facts

Wissenschaftlerin, Unternehmerin, Ehefrau und Mutter - Anne ist eine echte Powerfrau!

Wie sie all das unter einen Hut bekommt, was sie antreibt und wie es dazu kam, dass sie bereits im 4. Semester ihres Studiums ihre eigene Beratungsfirma gründete, erzählt sie uns im Interview.


Du arbeitest als freischaffende Ernährungswissenschaftlerin bei SmartFoodFacts - wie kam es dazu?

2016 habe ich mein Studium an der Universität Hohenheim im Fach Ernährungsmanagement & Diätetik. Schon während des Studiums interessierte ich mich nicht nur für die theoretische Ernährungswissenschaft, sondern auch für das Unternehmertum. Ich sah in so vielen Dingen Potenzial und als unternehmerischer Kopf beschäftigten mich ständig Fragen wie: „Welchen Markt gibt es für dieses Produkt?“, „Wie kann ich diese Idee groß machen?“, oder „Wie kann ich das Produkt skalieren?“


Kurz gesagt, ich gründete im 4. Semester meine heutige Firma: SmartFoodFacts. Als Tochter eines REWE-Kaufmanns und einer Ernährungswissenschaftlerin habe ich den Supermarkt als mein Spielfeld entdeckt. Meine Vision ist es, smarte Ernährungsfakten zum Kunden zu tragen. Durch geschultes Personal, ernährungsbezogene Aktionen und externe Ernährungsfachkräfte. Heute bin ich zudem als Unternehmensberaterin in verschiedenen Großkonzernen unterwegs.

Wie sieht eine normale Woche im Moment bei dir aus?

Die Abwechslung! An meinem Beruf mag ich besonders gern, dass jede Woche anders ist. Für mich ist das Netzwerk wahnsinnig wichtig, also versuche ich wöchentlich auf relevanten Events und Veranstaltungen präsent zu sein. Sowohl regional in Form von Unternehmernetzwerken als auch deutschlandweit, z. B. auf Kongressen, Preisverleihungen und Veranstaltungen, die meine Kunden ausrichten. Man lernt wahnsinnig viele Leute kennen und kommt einem hochkarätigen Politiker schon mal ganz nah. All das ist super aufregend! Doch diese Präsenz zu zeigen, ist nicht immer einfach, vor allem nicht mit einer kleinen Tochter. Wenn es passt, nehme ich meinen Mann und meine Tochter deshalb einfach mit. Auch das Thema Social Media ist vom zeitlichen Aufwand nicht zu unterschätzen. Da kann auch gut und gern mal ein Arbeitstag für draufgehen.

Momentan ist es für mich wichtig, qualifizierte Ernährungsfachkräfte zu finden. Sei es Studenten, Absolventen oder gestandene Ernährungstherapeuten, die Lust haben, sich mit SmartFoodFacts ein zweites Standbein aufzubauen und das Spielfeld Supermarkt näher kennenzulernen.


Du setzt dich für den Bereich „evidenzbasierte Informationsvermittlung“ in der Ernährung ein - warum ist das so wichtig?

Ich muss zugeben, dass mir die Entwicklung der Verbreitung von Ernährungswissen - vor allem durch Instagram & Co. - nicht gefällt. Schlecht ausgebildete und selbsternannte „Ernährungsexperten“ geben Tipps und Tricks, die von den ernährungswissenschaftlichen Grundsätzen weit entfernt sind. Oft auch um die eigenen Nahrungsergänzungsmittel verschleiert an die Kunden zu bringen. Das Fachwissen, das im Netz durch Fachgesellschaften publiziert wird, ist nicht „sexy“ genug, als dass sich der Leser damit identifiziert. Und Influencer mit ernährungswissenschaftlichem Background gibt es im Vergleich zu den unqualifizierten leider noch viel zu wenig.

Mit dem Angebot, Ernährungsfakten im Supermarkt zu integrieren, versuche ich eine offline Quelle zu bedienen, die ebenfalls eine riesige Reichweite hat. Denn Einkaufen müssen die Leute immer. Was mir oft auffällt: Kunden denken oft, sich vor mir als Ernährungsfachkraft rechtfertigen zu müssen, nur weil sie eine Pizza oder eine Tafel Schokolade im Einkaufswagen liegen haben. Das zeigt mir, dass wir auch an unserem Bild als Ernährungsfachkräfte noch ordentlich arbeiten müssen, um ein positiveres Image in der Bevölkerung zu bekommen. Den erhobenen Zeigefinger gibt es meiner Meinung nicht. Ich arbeite grundsätzlich mit Alternativen, wenn jemand diese verlangt. Und ja, ich bin selbst ein großer Fan von Schokolade.

Wo hast du studiert?

Ich habe in Stuttgart-Hohenheim studiert. Eine tolle Uni mit einem ganz besonderen Flair, an der ich wirklich gerne studiert habe. Inhaltlich hat mir das Studium gut gefallen - ergänzend hätte ich mir ein Seminar zur Existenzgründung oder zu betriebswirtschaftlichen Grundlagen gewünscht. Auch wie man die Kooperation mit Krankenkassen eingeht oder welche Pflichten man im Berufsalltag hat, wurden leider wenig ausgeführt. Dafür habe ich eine wunderbare Basis an Fachwissen erlernt, die mir jetzt in meinem Berufsalltag sehr weiterhilft.

Wie bist du auf das Studium gekommen? Welche Leidenschaft treibt dich an?

Durch meinen Bezug zum Handel habe ich mich schon früh für Lebensmittel interessiert. Ich habe bereits mit 15 meinen ersten Schülerjob als Regalauffüllerin gehabt und bis zum Abitur im Bioladen gearbeitet. Gerade im Biohandel sind die Kunden stark ernährungsinteressiert und wollen beraten werden. Das war der Grundstein, mich intensiv mit Nährstoffen, ernährungsphysiologischen Abläufen und Lebensmittelkunde zu beschäftigen. Heute fasziniert mich vor allem auch der Wandel, den der Lebensmitteleinzelhandel erfährt. Dieser ist bisher kaum digitalisiert und ich glaube, dass der Supermarkt der Zukunft ein unheimlich spannendes Spielfeld werden wird.

Was können ErnährungsexpertInnen deiner Meinung nach richtig gut?

ErnährungsexpertInnen können vor allem Eines: Expertise vorweisen. Und das wird auch in meinem Job immer klarer. Je mehr du weißt, je spezialisierter du bist, desto interessanter bist du für potenzielle Kunden. Wer seine Nische in dem breiten Spektrum der Ernährungsthemen gefunden hat, hat gute Chancen, ein gefragter Experte auf seinem Gebiet zu werden.

Wer ist dein Vorbild und wie inspiriert diese Person dich? Was schaust du dir ab?

Ein großes Vorbild von mir ist meine ehemalige Professorin Prof. Dr. Anja Bosy-Westphal. Als Ernährungswissenschaftlerin und Medizinerin konnte sie uns immer wieder tollen Transfer zwischen den beiden Fachgebieten liefern. Sie unterstützte mich in meinem Vorhaben, eine fachgebietsübergreifende Abschlussarbeit zwischen der Ernährungswissenschaft und dem Unternehmertum zu verfassen und legte den Grundstein für meine eigene Passion für Ernährung.

Wer mehr von Anne erfahren oder sich mit ihr vernetzen möchte, findet sie hier: Facebook, Instagram, Xing.

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Interview von Simone K. Frey


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