Hannah Geupel - External Scientific Affairs & Nutrition Manager bei Alpro

Hannah Geupel ist Ernährungswissenschaftlerin und External Scientific Affairs & Nutrition Manager bei Alpro. Mit ihrer Arbeit für das B-Corp zertifizierte Unternehmen setzt sie sich für eine gesunde und nachhaltige Welt ein. Diese Einstellung passt perfekt zu unserer Vision bei NUTRITION HUB. Daher haben wir Hannah im Interview über ihre Arbeit, ihre Zukunftsvorstellungen und ihre Leidenschaft für die Themen Ernährung und Gesundheit befragt.



Liebe Hannah, du bist Ernährungswissenschaftlerin und hast an der Universität Bonn und an der Hochschule Münster studiert. Wie kam es dazu, was war dein Antrieb?

In meiner Kindheit haben meine Eltern mir die Begeisterung für Lebensmittel, Ernährung, das Kochen und einen nachhaltigen Lebensstil mitgegeben. In der Schule habe ich mich dann sehr stark für naturwissenschaftliche Fächer wie Biologie interessiert. Mich faszinieren alle Themen rund um den menschlichen Körper. Deshalb dachte ich nach dem Abi zunächst daran Medizin zu studieren. Bei meiner Recherche bin ich schließlich auf den Studiengang Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften in Bonn gestoßen. Die Kombination aus verschiedenen Disziplinen fand ich super spannend und so war die Entscheidung schnell getroffen. Mir war klar, dass dieses Studium mir die richtige Ausbildung bieten würde, um einen Beitrag zu einem gesunden und nachhaltigen Lebensstil in der Bevölkerung leisten zu können. Das hat mich während meines Studiums sehr motiviert. Deshalb habe ich mich später auch für den Masterstudiengang „Ernährung und Gesundheit“ in Münster entschieden.

Heute arbeitest du bei Alpro als External Scientific Affairs and Nutrition Manager. Welche Aufgabenbereiche und welches Ziel verbergen sich hinter diesem Titel? Woran arbeitest du?

In meinem Team laufen alle Themen rund um pflanzenbetonte Ernährung, Gesundheit, Nachhaltigkeit und Wissenschaft zusammen. Ich repräsentiere und vertrete Alpro in der Fachwelt im Raum Deutschland, Österreich und Schweiz. Dazu gehören Diätassistent*innen, Ernährungsberater*innen und andere Gesundheitsfachkräfte, aber auch Wissenschaftler*innen, Verbände oder andere Organisationen aus dem Bereich Gesundheit und Ernährung. Darüber hinaus ist auch der Kundenservice in unserem Bereich verankert, denn hier kommen viele ernährungsspezifische Fragen rein, die wir in unserem Team bestmöglich beantworten können. Darüber hinaus trage ich die Themen Gesundheit und Ernährung intern bei uns ins Team. Gesundheit und Nachhaltigkeit sind in der Firmen-DNA von Alpro fest verankert – zwei Bereiche, die auch mir sehr am Herzen liegen. Vor 40 Jahren hat Alpro als kleines, lokales Unternehmen begonnen pflanzliche Produkte für Menschen mit speziellen Ernährungsbedürfnissen herzustellen. Inzwischen hat Alpro enorm viel Expertise und Erfahrung im Bereich pflanzenbetonte Ernährung aufgebaut.

Du warst vor deinem Job bei Alpro vor allem im Bereich Verbraucherschutz und -aufklärung aktiv. Was hat dich für diesen Bereich begeistert?

Mein Antrieb ist es, eine echte, positive Veränderung in Bezug auf Ernährung und Gesundheit in unserer Welt zu bewirken. Zuletzt war ich am Deutschen Diabetes-Zentrum in der Stabsstelle Nationales Diabetes-Informationszentrum mitverantwortlich für die Konzeptentwicklung und den Aufbau eines nationalen Diabetesinformationsportals. Das war gefördert von der BZgA. Dabei ging es um die Aufklärung und Bildung rund um das Thema Diabetes, sowohl für Betroffene, Risikogruppen als auch Fachkreise. Bei der hohen Prävalenz und Inzidenz von Diabetes in Deutschland sind Informationen über die Erkrankung besonders wichtig.


Wie ist es nun auf der Unternehmensseite zu arbeiten?

Super, denn mir ist klar geworden, dass wir ernsthafte, positive Veränderungen in Bezug auf Gesundheit und Nachhaltigkeit nur erreichen, wenn alle Organisationen und Bereiche der Gesellschaft ihren Beitrag für eine bessere Zukunft leisten. Für Alpro gehört das zur DNA, deshalb ist Alpro auch als B Corporation ausgezeichnet.

Ich bin außerdem der Meinung, dass eine pflanzenbetonte Ernährung, inklusive pflanzlicher Alternativen zu tierischen Produkten, ein Teil der Lösung zu einem nachhaltigeren Lebensmittelsystem und einer nachhaltigeren Ernährung sind. Ich arbeite mit großer Begeisterung hier im Unternehmen, weil diese Überzeugung und Vision gelebt wird. Wir haben z. B. bereits im September 2019 auf den Nutri-Score gesetzt. Das Kennzeichnungssystem steht im Einklang mit unserer Strategie, sich für das Wohl der Menschen und eine bessere Ernährung einzusetzen. Die meisten Produkte von Alpro tragen übrigens ein A oder ein B. Darüber hinaus ist in unseren Markengrundsätzen ein sehr gutes Nährwertprofil tief verankert. Zwischen 2014 und 2019 wurde die Zuckermenge in unserem Sortiment um 18,6 Prozent gesenkt und wir setzen uns weiterhin Ziele in diesem Bereich. Was ich auch super finde ist die Alpro Foundation, die Forschung und Wissenschaft fördert.


Du hast die B Corp Zertifizierung erwähnt – wie läuft das genau ab? Was bedeutet die Ausrichtung für deine tägliche Arbeit?

B Corp ist ein Zertifikat für Unternehmen, die neben der Gewinnerzielung auch nach einer positiven Veränderung in der Welt streben. Der Beitritt zur B Corp bedeutet, dass wir uns als Unternehmen verpflichten unser Geschäft für einen guten Zweck einzusetzen. Jahr für Jahr verpflichten sich B Corp zertifizierte Marken und Unternehmen zu einer stetigen Verbesserung. Zertifizierte Unternehmen und ihre Vorhaben werden akribisch überwacht, sowohl in Bezug auf deren Auswirkungen auf die Umwelt, als auch auf ihre Mitarbeitende, die Lieferfirmen und nicht zuletzt, die Gesellschaft. Wenn die Zahlen nicht den Vorgaben entsprechen, verliert man als Unternehmen das B Corp-Zertifikat.

Für mich ist es wichtig, dass in einem Unternehmen Gesundheit, Umwelt und wirtschaftliche Interessen Hand in Hand gehen. So hat sich Alpro auch dieses Jahr wieder ambitionierte Ziele gesetzt für den Planeten und die Gesundheit (u.a. in Bezug auf Verpackungen oder Nährwertprofile). Es gibt zum Beispiel Projekte des Alpro Sozialfonds, der Alpro Foundation und weitere sozialen und ökologische Initiativen. Alpro wurde im Jahr 2018 als B Corp mit einer Gesamtpunktzahl von 87 Punkten zertifiziert – gefordert sind 80 Punkte. Insgesamt gibt es etwa 2.400 Unternehmen mit einem B Corp Zertifikat, das sind nur knapp 5 % aller Unternehmen.


Alpro Produkte bedienen auf der einen Seite die steigende Nachfrage nach pflanzenbasierten Alternativen, auf der anderen Seite sind es technologisch (hoch)verarbeitete Produkte. Wie stehst du persönlich dazu?

Ja, das ist richtig: Unsere Drinks und Milchalternativen sind verarbeitete Produkte. Als Ernährungswissenschaftlerin weiß ich, dass ein hoher Anteil and pflanzlichen Lebensmitteln, wie Gemüse und Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen etc. das A & O in der Ernährung sind. Gleichzeitig weiß ich auch, dass es unser Alltag nicht zulässt zu jeder Mahlzeit alles frisch zuzubereiten. Daher sind verarbeitete Lebensmittel zum einen essentiell für unsere alltägliche Ernährung, zum anderen spielt Verarbeitung eine entscheidende Rolle, wenn es um Lebensmittelsicherheit, Haltbarkeit und die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung geht.

Außerdem kann die Verarbeitung auch Geschmack sowie die Ernährungsqualität verbessern. Beispielsweise ist unser Sojadrink in Anbetracht der Nährstoffe als auch der Verwendung ein Äquivalent zur Kuhmilch. Damit man das erreichen kann, sind bestimmte Herstellungsprozesse erforderlich. Die Sojabohnen werden dabei schonend und mechanisch, aber nicht chemisch verarbeitet. Sie werden geschält, blanchiert und gemahlen. Anschließend werden Wasser und andere Zutaten hinzufügt und der Drink homogenisiert. Durch Vitamine und Mineralien kann der Nährstoffgehalt verbessert werden, wie z. B. der Calciumgehalt. Am Ende entsteht ein Produkt, mit einer sehr guten Nährstoffzusammensetzung und vielfältigen Verwendbarkeit. Wenn wir also von verarbeiteten Produkten sprechen, dann ist für mich die Produktzusammensetzung und die ernährungsphysiologische Wirkung wichtiger, als die reine Tatsache, dass Produkte verarbeitet sind.


Was begeistert dich am Fachbereich Ernährungswissenschaft? Warum braucht die Welt Ernährungsexpert*innen?

Lebensmittel und unsere Ernährung haben die größten Auswirkungen auf unseren Planeten und auf die Gesundheit. Ernährungsexpert*innen können Ursachen und Wirkungen erforschen und Lösungen für eine nachhaltigere und gesündere Ernährung bewirken.


Wie wird die Welt 2030 aussehen – bezogen auf die Ernährung des Menschen und die Rolle der Ernährungsexpert*innen?

Unsere Ernährung wird immer pflanzenbetonter. Und es wird mehr Angebote und mehr Vielfalt bei pflanzlichen Lebensmitteln geben, sowohl im Supermarkt als auch in der Außer-Haus-Verpflegung. Ernährungsexpert*innen können und werden diese Veränderung mit ihrem Know-how fördern und unterstützen, beispielsweise durch die Untersuchung der Rolle pflanzlicher Produkte in der Ernährung der Bevölkerung sowie durch entsprechende Ernährungsbildung und -aufklärung. Zum Schluss ist es wichtig, dass Ernährungsexpert*innen für wissenschaftliche Evidenz und Fakten einstehen und Mythen über Ernährung bekämpfen.

Dieses Interview wurde geführt von Dr. Simone K. Frey, Gründerin NUTRITION HUB.

Mehr zum Thema pflanzliche Milchalterantiven erfährst du bei unserem Online Event

"Pflanzliche Drinks und Milchalternativen – Was können Expert*innen empfehlen?"

am 18.11.2020. Tickets gibt es hier. Wer mehr über Hannah Geupel und

ihre Arbeit bei Alpro erfahren möchte kann sich via LinkedIn mit ihr vernetzen.


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