Zwischen Rabattcodes und Diät-Shakes: Wie stehen ErnährungsexpertInnen zu Social Media (Teil 1)



Im 21. Jahrhundert informieren sich VerbraucherInnen in erster Linie im Internet über Ernährung. Das Internet und Social Media haben den Zugang zu Wissen demokratisiert und es vielen Menschen ermöglicht, sich Wissen anzueignen und dieses gleichzeitig weiterzugeben. Auf Instagram finden sich unter dem Hashtag #food fast 400 Mio. Einträge. Zum Vergleich: Unter #fashion finden sich nur doppelt so viele Einträge. Diese Zahlen zeigen, dass alleine dieses Medium zu einem wichtigen Kommunikationskanal zum Thema Ernährung geworden ist.


Ernährungsfachkräfte auf Social Media – eine Nadel im digitalenHeuhaufen


Als ErnährungsexpertIn Social Media zu nutzen ist so eine Sache. Einerseits freut man sich, dass sich so viele zum Thema Ernährung über Soziale Medien informieren; andererseits bekommt man Bauchschmerzen bei Rabattcodes für dubiose Diätprodukte, Fake News und selbsternannten Food-Gurus. So schreibt zum Beispiel die Influencerin @Pimpyourprana zum Thema 'dryfasting': „Since I started to heal my kidneys through dry fasting, which helps them to filter more efficiently, I stopped drinking „empty“ water.” und bringt damit ihre Follower in Gefahr. Christina Langenfeld, Ernährungsexpertin, fasst es so zusammen: "Schön wenn Patienten schon mal einen Überblick zur Krankheit durch das Internet bekommen. Blöd wenn da auch viel falsches dabei ist."


Die zuvor genannten Zahlen zeigen, Ernährung ist in den sozialen Medien ein großes Thema – das ist erstmal eine super Sache! Und trotzdem scheint es so, als würden vor allem Beauty-, Fashion- und Lifestyle-Influencer über Ernährung kommunizieren. Tatsächlich sind diejenigen, die ernährungsbezogenen Content mit der Welt teilen, nur selten Ernährungsfachkräfte. Diese sucht man, wie die Nadel im Heuhaufen. Das führt dazu, dass VerbraucherInnen sehr häufig mit Inhalten konfrontiert werden, die irreführend oder falsch sind. Im schlimmsten Fall steht sogar die Gesundheit der LeserInnen auf dem Spiel. Im Januar 2019 hat die Organisation Health Feedback die zehn meist geteilten Artikel auf Social Media zum Thema Gesundheit auf deren wissenschaftliche Glaubwürdigkeit hin analysieren lassen. Das Ergebnis: 75% dieser zehn Artikel enthielten falsche oder irreführende Informationen.


Ernährungsfachkräfte als Influencer - Wissen kommunizieren


Es wird Zeit etwas dagegen zu tun! Aber was? Schlicht und einfach richtige Informationen in die Welt tragen. Genau das können Ernährungsfachkräfte sehr gut und brennen dafür. Doch wie stehen ErnährungsexpertInnen überhaupt zu diesem Thema? Das war der Ausgangspunkt der Umfrage „Ernährungsfachkräfte als Influencer“. Wir haben 82 Fachpersonen aus unserer Community zum Thema digitale Medien in ihrem Berufsalltag befragt. Darunter auch die Fragen: Welche Rolle spielen soziale Medien im Berufsalltag von ErnährungsexpertInnen? Welche Chancen und Risiken bringen diese mit sich? Hier die Ergebnisse unserer Umfrage.


Umfrageergebnisse


Digitale Medien sind im Berufsalltag von ErnährungsexpertInnen bereits vertreten

88 % der befragten ErnährungsexpertInnen verwenden bereits digitale Medien in ihrem Berufsalltag. 55 % von ihnen nutzen Facebook und Instagram, 16 % Xing und Twitter, 15 % LinkedIn und den eigenen Blog. Nur vier Prozent benutzen Youtube und Podcasts im Berufsalltag. Im Vergleich dazu: In Deutschland verwenden 32 Mio. Menschen Facebook, 28 Mio. Youtube, je 17 Mio. Instagram, sowie Xing. Gefolgt von 14 Mio. Linkedin-, 5,5 Mio TikTok- und 2,8 Mio Twitter-NutzerInnen.

Wie nutzen Ernährungsfachkräfte die Sozialen Medien im Berufsalltag?

Der Großteil der Befragten nutzt digitale Medien für soziale Netzwerke (79 %) und Webinare (30%). 23 % setzen Software-Angebote für die Durchführung von Online-Ernährungsberatungen ein. Um sich Kenntnisse zur Anwendung von digitalen Angeboten anzueignen, haben 22 % spezielle Fort- und Weiterbildungen in Anspruch genommen, davon fast die Hälfte (44 %) Weiterbildungen im Bereich Social-Media-Nutzung und Anwendung.


Die fünf meist genannten Chancen der digitalen Mediennutzung

  1. Fundiertes Ernährungswissen teilen und Mythen bekämpfen (54 %)

  2. Erhöhung der Sichtbarkeit und Reichweite (46 %)

  3. Kundengewinnung (33 %)

  4. Interaktion mit der Zielgruppe (20 %)

  5. Netzwerken und fachlicher Austausch (12 %)


Anja Tanas, Fachjournalistin, Köchin, Autorin, sagt dazu:


„Digitale Medien sind nicht nur eine Chance, sie sind ein Muss.“




Welche positiven Erfahrungen wurden bereits gemacht?

Positiv bewerten 22 % der befragten ErnährungsexpertInnen die Zusammenarbeit und Kooperationen, die durch die Nutzung der digitalen Medien entstanden seien. 21 % berichten über positive Erfahrungen im Bereich der Selbstvermarktung und 10 % haben über digitale Medien mehr KlientInnen gewinnen können.


Die fünf meist genannten Risiken der digitalen Mediennutzung

  1. Fake News, Halbwissen und Information Overload (39 %)

  2. Konkurrenz durch selbsternannte ExpertInnen/Laien-Influencer (34 %)

  3. Zu hoher Zeitaufwand (17 %)

  4. Datenschutz, Cyber–Sicherheit (9 %)

  5. Selbstdarstellung (5 %)


Monika Rahimi, Ökotrophologin, Ernährungsberaterin und Dozentin findet:


"Es ist dabei besonders wichtig, authentisch zu bleiben und sich nicht zu verbiegen."




Welche negativen Erfahrungen wurden bereits gemacht?

Im Zusammenhang mit der Nutzung sozialer Medien im Berufsalltag haben 18 % bereits negative -Erfahrungen in Bezug auf Fehlinformation und Halbwissen gemacht. 11 % empfinden die Nutzung digitaler Medien als zu zeitintensiv und leiden unter dem Druck der ständigen Erreichbarkeit. 6 % beschrieben negative Erfahrungen im Zusammenhang mit hasserfüllten und negativen Kommentaren.


Fazit

Eine gesunde Ernährung zu vermitteln ist nicht einfach - vor allem nicht, wenn es ein kurzer Post in den Sozialen Medien sein soll. ErnährungsexpertInnen zeichnen sich dadurch aus, dass sie Menschen helfen und keinen Marketing-Quatsch verkaufen wollen. Und sie zeichnen sich dadurch aus, dass auch sie gerne Süßes essen. Eine wunderbare Voraussetzung, der großen Dominanz von selbsternannten ErnährungsexpertInnenn in den sozialen Medien entspannt und mit Humor entgegenzutreten.


Mehr zu diesem Thema gibt es nächste Woche im zweiten Teil: Blogger und Influencer Jan Rein von Satte Sache teilt fünf Schritte zum erfolgreichen Social-Media-Auftritt (online ab 3. Juni 2020). Außerdem veranstalten wir am 10. Juni 2020 einen Online Workshop zum Thema Social Media. Hier lang geht's zur Anmeldung. Individuelle Coaching Sessions zum Thema Social Media und Kariere gibt es hier.

Die Idee für diese Umfrage unter Ernährungsfachkräften und deren Sicht auf Social Media kam direkt aus der NUTRITION HUB Community und zwar von Diaetologin Petra Eberharter.

Petra Eberharter, BSc MSc nutr. med., arbeitet als selbstständige Diaetologin in Oberösterreich. Sie ist spezialisiert auf nachhaltige Ernährung im Alltag und Expertin für Stoffwechselgesundheit sowie die Therapie von Verdauungsbeschwerden. Als Ernährungsexpertin wirkt sie bei verschiedenen Projekt mit, zuletzt für die Marssimulation des Österreichischen Weltraumforums. Mehr über Petra erfahrt ihr hier: www.diaetologie-eberharter.at.


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