Dr. Ina Henkel - Gründerin des Hundesnack-Startups TeneTrio


Interview geführt von Simone.


Ina, Du bist erst 35 Jahre und hast bereits Dein eigenes Unternehmen, Tenetrio, gegründet - wie kam es dazu?

Als Ernährungswissenschaftlerin dürfte ich während meiner PostDoc-Aktivitäten an der Universität Potsdam zahlreiche Dienstreisen nach Afrika und Asien tätigen. Hier ging es eigentlich darum, die Ernährungswissenschaft stärker ins Curriculum der Partneruniversitäten einzubinden. Natürlich habe ich mich auch stark für die jeweilige Esskultur interessiert und so kamen auch Insekten auf den Tisch. Das Potential von essbaren Insekten als alternative Proteinquelle faszinierte mich sofort. Zurück in Deutschland ergab sich dann aus einem losen Gespräch heraus die Idee, in Brandenburg eine Mehlwurmzucht zu etablieren. Dank eines EXIST-Gründerstipendiums konnten sich meine Geschäftspartnerinnen Katrin, Sabrina und ich dann in Vollzeit der Weiterentwicklung der Idee widmen. Drei Monate nach EXIST-Start gründeten wir die Firma EntoNative GmbH und wagten den Markteintritt mit dem damaligen MVP der TenePops unter der Marke TeneTRIO.

Wie sieht eine normale Woche im Moment bei Dir aus? Was ist das Tolle an Deinem Job? Was magst Du nicht so gern

Um ehrlich zu sein, sieht sie bei der sonntäglichen Wochenplanung immer sehr strukturiert aus: einige geschäftliche Termine, Telefonate, interne Meetings, evtl. Bewerbungsgespräche, Besuch von Veranstaltungen, Produktionstage, Ideenfindung für neue Produkte, Zeit in der Mehlwurmzucht, Planung von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten,... Spätestens Montagmittag kommen dann ungeplante Herausforderungen dazu und verlangen Spontanität, Flexibilität und schnelle Entscheidungen von einem ab. Das ist ein wesentlicher Kern meines jetzigen beruflichen Tuns und ich bin sehr dankbar, jeden Tag aufs Neue lösungsorientiert arbeiten zu dürfen. So lernt man jeden Tag etwas dazu und entwickelt sich stetig weiter. Kein Tag ist wie der andere. Für Langeweile und dröge Aufgaben ist einfach keine Zeit.

Nachteilig ist, dass sich unter Umständen einiges verschiebt und man mit einer gewissen Planungsunsicherheit kämpft bzw. immer wieder neue Baustellen beackert werden müssen. Ich muss allerdings sagen, dass bis jetzt noch keine Aufgaben dabei sind, die ich so gar nicht gerne mache. Das Schöne ist ja auch, dass wir ein Team sind und ich mit tollen Menschen zusammenarbeiten darf, die ihren Job auch lieben. Sollte also mal ein Bereich dabei sein, den ich nur ungern anfassen will, besteht wenigstens die Chance, dass jemand anderes es gerne macht.

Wo hast Du studiert? Und wie hat Dir das Studium gefallen?

Ich habe in Potsdam studiert. In erster Linie, weil ich in Heimatnähe bleiben wollten. Erst später habe ich realisiert, welche Qualität das ernährungswissenschaftliche Studium in Potsdam im Vergleich zu anderen Unis mit sich bringt. Die Praktika im Laufe des Studiums waren teilweise sehr anstrengend, haben aber die geballte Ladung an Theorie während der Vorlesungen und leider viel zu wenigen Seminaren wieder aufwiegen können. Ich war sehr gerne im Labor. Auch hatte ich das Glück noch auf Diplom studieren zu dürfen, sodass die direkte Anbindung ans Deutsche Institut für Ernährungsforschung im Hauptstudium dann Türen für Tätigkeiten als wissenschaftliche Hilfskraft und später auch fürs Anfertigen der Diplomarbeit öffnete.

Wie bist Du auf das Studium der Ernährungswissenschaft gekommen?

Nach dem Abitur war ich ehrlicherweise unsicher, was ich überhaupt studieren soll. Ich hatte mich im Vorfeld natürlich von der Agentur für Arbeit beraten lassen. Leider war die Aussage: „Mit dem Notendurchschnitt können Sie eigentlich alles studieren“ wenig hilfreich. Hinzukam, dass ich mich für sehr viele unterschiedliche Dinge begeistern konnte. Sicher war immerhin, dass ich etwas Naturwissenschaftliches Studieren wollte. Im BIZ in Potsdam stieß ich dann das erste Mal auf die Ernährungswissenschaft. Die Interdisziplinarität sprach mich sofort an. Lustigerweise fragte mich die Beraterin der Arbeitsagentur doch tatsächlich, ob ich gerne kochen würde, denn dann sei das ja das Richtige für mich. Obwohl ich für mein Leben gerne koche, war mir beim Studieren des Curriculum schnell klar, dass mich nicht diese Passion, sondern vielmehr die Begeisterung für biochemische Hintergründe im Studium weiterbringen würde.

Du hast promoviert - warum und wie war das Promovieren?

Bereits während der Diplomarbeit merkte ich, dass mir die Forschung wirklich Spaß macht. Theoretische Fragestellungen ins Labor zu bringen und daraus am besten noch Transferansätze ins „richtige Leben“ zu generieren, faszinierten mich und gaben mir Antrieb. Als mein Vater gegen Ende der Diplomarbeit an Diabetes erkrankte und sich die Chance ergab, im Rahmen eines Promotionsprojektes Therapieansätze für die diabetische Nephropathie zu bearbeiten, dachte ich, es handle sich um eine Fügung des Schicksals.

Natürlich war die Promotionszeit keine einfache. Obwohl ich aus der Zeit der Diplomarbeit bereits wusste, dass vieles im Labor anders läuft als geplant, waren nun die Dimensionen der Rückschläge heftiger. Sobald aber etwas im Labor funktionierte, gab es Motivation für die nächsten Herausforderungen. Sehr positiv empfand ich auch, dass man eigene Ideen entwickeln und umsetzen konnte. Ich nutzte die Zeit außerdem dazu, mich im Rahmen von PoGS-Aktivitäten außerhalb des Labors weiterzubilden. Der Austausch mit Gleichgesinnten aus anderen Wissenschaftsfeldern war dabei immer hilfreich. Und wenn es am Ende nur die Bestätigung war, dass es allen irgendwie ähnlich geht.

Außerdem machte mir die Lehrtätigkeit, die man als Promovierende zu erfüllen hat, sehr viel Spaß. Ich durchlief im Rahmen eines Stipendiums auch einen Junior Teaching-Lehrgang und absolvierte später eine eTeaching-Weiterbildung. Rückblickend alles wichtige Etappen, die vielleicht ein paar Monate mehr an Promotionszeit „kosteten“, aber am Ende sehr bereichernd waren.

Du hast eine drei-jährige Tochter. Wie vereinbarst Du Familie und Job?

Das Vereinbaren von Familie und Job klappt meistens ganz gut. Ich habe zum Glück einen tollen Mann, der mich in dem unterstützt, was ich tue. Auch der Rest der Familie hilft, wo er kann. Außerdem habe ich zwei Mitgründerinnen, die mir das Leben als Mama erleichtern. Ohne diese großartige Unterstützung von meinem Umfeld wäre das alles auch nicht möglich. Dafür bin ich sehr dankbar und weiß, dass es nicht selbstverständlich ist.

Aber es gibt natürlich auch Zeiten, in denen die Familie nicht die Nummer eins spielt. Dann ist es hart, nach Hause zu kommen, wenn schon alle schlafen. Und man hat auch Momente, in denen man sich fragt, wie es wohl wäre, sein Kind täglich sehr viel früher aus der Kita zu holen. Ich glaube jedoch sehr an die beiden Prinzipien: glückliche Eltern, glückliche Kinder und „Qualitätszeit“. Da ich das Glück habe, einem Job nachgehen zu dürfen, der mich erfüllt, erlaube ich es mir auch, die wenige Zeit mit Kind ganz intensiv zu nutzen. Dann steht die Zeit eben auch mal still und das spüren die kleinen Wesen eben auch.

Zu guter Letzt, was würdest Du Berufseinsteigern aus unserem Fachbereich raten?

In meinen Augen zeichnet uns Ernährungswissenschaftler sehr stark die interdisziplinäre Ausbildung aus. Das muss man ausnutzen, aber auch ganz klar kommunizieren. Immer noch wissen viele Arbeitgeber gar nicht, was ein Ernie überhaupt kann. Mit Sicherheit ist man sich als Absolvent da manchmal auch nicht ganz sicher und das ist legitim. Auch Absolventen aus anderen Fachbereichen geht das so. Wichtig ist, dass man sich vor Augen hält, welche Kompetenzen man einbringen kann und wie man sich gegen Biochemiker, Lebensmittelchemiker & Co. abgrenzen kann

Und wer von Euch ein paar Leckerli für Eure Hunde einkaufen will, hier geht es zu Ina's Unternehmen: https://tenetrio.de.

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