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Dania Schumann - PostDoc, Yogalehrerin und Bloggerin


Wie kamst Du auf die Idee Ernährungswissenschaften zu studieren?

Entweder durch Zufall oder Schicksal, wie man sehen möchte. Ich wollte gerne etwas im naturwissenschaftlichen Bereich studieren, aber es war mir wichtig einen konkreten Bezug zur Praxis durch mein Studium zu haben. Außerdem hat mich die Forschung sehr interessiert und bei meiner Recherche nach dem Abitur tauchten irgendwie die Ernährungswissenschaften auf meiner Bildfläche auf.

Wo hast Du studiert?

Meinen Bachelor habe ich an der Justus-Liebig-Universität in Giessen studiert, den Master an der Universität Potsdam.

Hat Dir das Studium gefallen? Wenn ja, was hat Ihnen gefallen, was eher nicht?

Als einer der ersten Bachelor/Masterstudiengänge war das Studium sehr eng getaktet und an vielen Universitäten kollidiert die Praxiserfahrung außerhalb der Uni mit dem Studienplan. Das finde ich sehr schade, denn ich denke, dass am Ende besonders die Praxis und der Raum für Erfahrungen bereits im Studium sehr wichtig sind.

Gut gefallen hat mir an der Universität Giessen, dass ich meine Module aus verschiedenen Fachbereichen wie z.B. Medizin, Sportwissenschaften, Agrarwissenschaften wählen konnte und mich ebenfalls in Bereichen der Biochemie, Immunologie und Forschung vertiefen konnte.

In Potsdam hat mir die Nähe zum Deutschen Institut für Ernährungswissenschaft (DIfE) sehr gefallen. Dort haben wir sehr viel praktisch im Labor gearbeitet, was den Weg in die Forschung sehr geebnet hat.

Würden Du es nochmals studieren?

Ich würde es zwar noch einmal studieren, aber mit hat eine Vernetzung zu traditionellen Ernährungssystemen wie der TCM oder dem Ayurveda gefehlt. Ich denke, dass diese definitiv eine große Bedeutsamkeit in der Ernährungstherapie haben und deswegen auch immer mehr in Fokus der Forschung rücken.

Wo arbeitest Du jetzt und wie sieht ein normaler Arbeitstag/ Arbeitswoche bei Dir aus?

Ich arbeite derzeit für die Charité Universitätsmedizin in der Abteilung für Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin in der Forschungsgruppe unter Prof. Andreas Michalsen. Meine Arbeitswoche ist mit ayurvedischen Ernährungsberatungen, verschiedenen Forschungstätigkeiten wie Studienbegleitung und -entwicklung gefüllt. Außerdem arbeite ich privat an meinem Blog „One healthy life“, mit dem ich unter anderem ayurvedische Ernährung einfach und verständlich in den Kontext unserer Zeit setzen möchte. Auch Achtsamkeit spielt dabei eine wichtige Rolle, denn Ernährung ist weit mehr als die Aufnahme von Nährstoffen.

Wie kam die Idee zur Promotion, über welches Thema hast Du promoviert?

Ich habe über das Thema Yoga und Ernährungsberatung in der Behandlung des Reizdarmsyndroms promoviert. Die Idee kam durch meine Yogalehrer-Ausbildung und meine Ausbildung in der Ayurveda-Medizin. Besonders die Darm-Hirn-Achse hat mich auf der Forschungsebene sehr interessiert und dadurch das Thema Reizdarm mit der Frage: Ist es möglich den Darm durch Achtsamkeitstechniken zu beeinflussen? Wie groß ist die Rolle der Ernährung und wie groß die mentale Komponente? Kann Meditation und Yoga vielleicht sogar die Darmmikrobiota beeinflussen oder ist dies nur über die Ernährung möglich? Mit diesen Fragen bin ich auf meinen Doktorvater PD Dr. Holger Cramer an den Kliniken-Essen Mitte auf ein offenes Ohr gestoßen und habe dort mit seiner Unterstützung die Studie für meine Doktorarbeit planen und durchführen können.

Was ist das Beste an Deinem Job? Würdest Du Dich nochmals dafür entscheiden?

Das Beste an meinem Job ist ein interdisziplinäres Team in dem ich mich austauschen und sowohl fachlich als auch persönlich wachsen kann. Außerdem mag ich die Vielfältigkeit meiner Aufgaben.

Was empfiehlst Du Berufseinsteigern, die den Weg in die Forschung suchen?

Ich denke Forschung erfordert vor allem Geduld, dessen muss man sich bewusst sein. Studienergebnisse dauern vor allem in der klinischen Forschung häufig Jahre mit vielen Anträgen und viel Planung. Am allerwichtigsten finde ich ein Forschungsthema zu wählen welches einen persönlich interessiert, aber auch die Fähigkeit das Thema interdisziplinär zu betrachten.

Was hältst Du für die größten Hürden in unserem Fachbereich?

Als größte Hürde habe ich erfahren, dass die meisten nicht wissen, was das Studium der Ernährungswissenschaften alles beinhaltet. Besonders bei der Bewerbung auf Forschungsstellen steht die Vorstellung der meisten Menschen, Ernährungswissenschaftler würden nur Ernährungspläne schreiben im Weg. Dass mein Studium, wenn ich diesen Schwerpunkt lege, mich in molekularer Genetik, Biochemie, Anatomie, Physiologie, und Laborpraxis ausbildet, ist häufig nicht klar. Das ist schade und ich habe es gerade bei der Bewerbung für Praktika oder Studienarbeiten in der molekularen Forschung als große Hürde empfunden.

Viele ErnährungswissenschaftlerInnen wollten eigentlich Medizin studieren. Ist die Ernährungswissenschaft eine gute Alternative? Wo liegen Schnittstellen, wo Grenzen?

Wer den Umgang mit Patienten auf therapeutischer Ebene in eigener Verantwortung sucht, sollte Ernährungswissenschaft nicht als Alternative zur Medizin studieren, denn hier sind die Einschränkungen im späteren Berufsalltag zu groß. Dennoch können die Überschneidungen der Studieninhalte je nach Universität mit der Medizin sehr groß sein. Ich denke sogar, dass Ernährungswissenschaftler mit ihrem Wissen über die Zusammenhänge von Krankheit und Ernährung einen Vorteil haben, denn leider ist es immer noch so, dass im Medizinstudium Ernährung nicht thematisiert wird.

Warum braucht die Welt Ernährungswissenschaftler?

Die Welt braucht vor allem gute ErnährungswissenschaftlerInnen, und damit meine ich solche, die über den Tellerrand hinausschauen. Solche, die hinterfragen, die sich einem Lobbyismus der Lebensmittelindustrie bewusst sind und die durch Erfahrungen und Selbsterforschung ihre eigenen Antworten finden wollen.

Ernährung ist eines der wichtigsten Themen in der Prävention und Therapie von Erkrankungen, aber dazu muss Ernährung auch individueller werden. Wir brauchen Ernährungswissenschaftler die sich diesem Thema widmen und es publik machen. Das gilt vor allem auch für die Ernährungsforschung, denn wir leben nun einmal in einer Zeit der evidenzbasierten Medizin.


Die molekulare Erforschung der Ernährung ist toll, aber sie sollte nicht losgelöst von der Praxis geschehen.

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