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Prof Dr. Andreas Michalsen - Deutschlands führender Experte für Fasten und Naturheilkunde

Wer seinem Körper etwas Gutes tun möchte, isst am besten einfach mal NICHTS. Passend zu unserem aktuellen Meetup zum Thema "The Power Of Fasting" sprachen wir mit Deutschlands Nr.1 Fasten-Experte und Bestseller-Autor Prof. Dr. Andreas Michalsen. Was wissen wir aus wissenschaftlicher Sicht über das Fasten? Und wie kann uns Fasten in unserem schnelllebigen Alltag unterstützen?

Welche neuesten Forschungs-Erkenntnisse zum Thema Fasten faszinieren Sie derzeit am meisten?

Für mich sehr faszinierend sind die Erkenntnisse der jüngsten Forschungen wonach durch Fasten die Autophagie und Stammzellenproduktion zugleich angestoßen wird. Die Autophagie als geniales zelluläres “Müll-Recycling“, wobei über einen komplexen Prozess alte Proteine und funktionsuntüchtige Zellorganellen wie alte Mitochondrien abgebaut werden und danach wieder neu produziert werden können. Das ist einfach ein sehr bedeutender Anti-Aging-Schlüssel. Weiter finde ich es spannend, dass Fasten und kalorische Restriktion auch vielversprechende erste Ergebnisse bei Frühformen der Demenz zeigt. Mich beeindrucken außerdem die Ergebnisse einer eigenen prospektiven Beobachtungsstudie mit mehr als 1.300 Fastenden an den Buchinger Kliniken. In der gemeinsamen Publikation zeigte sich, dass die Stimmung mit längerer Fastendauer auch bis 21 Tage kontinuierlich ansteigt. Das ist schon sehr bemerkenswert!

Die wissenschaftliche Datenlage zum Intervallfasten ist in den letzten 15 Jahren wesentlich fundierter geworden. Glauben Sie, dass das Thema dadurch in der Bevölkerung mehr an Bedeutung gewonnen hat?

Es war sicher die Forschung, die hier der Auslöser des Interesses war. Denn die Intervallfasten-Welle kam aus den USA zu uns und dort waren es klar die Ergebnisse der Arbeitsgruppen von Satchin Panda, Valter Longo, Mark Mattson und Courtney Patterson, die großes Aufsehen erregten. Für mich war es dabei auch eine Schlüsselpublikation von Courtney Patterson in Cell Metabolism, in der sie zeigen konnte, dass Intervallfasten auch bei identischer Kalorienmenge günstige metabolische Effekte hat. Also der Beweis, dass das Jahrzehnte unumstößlich geltende „eine Kalorie ist eine Kalorie“ im Körperstoffwechsel so nicht ganz stimmt. Nicht zuletzt ist sicher auch der praktische Aspekt des Intervallfastens ein Grund: Es ist fraglos sehr einfach durchzuführen und führt bei vielen Menschen zu einer unaufgeregten Gewichtsabnahme.

Bei welchen Krankheitsbildern hat die Wissenschaft bereits ausreichend Erkenntnisse zur Anwendung von Fastenperioden?

Hier sind besonders Folgende zu nennen:

  • Rheumatoide Arthritis und rheumatische Leiden wie Fibromyalgie

  • Bluthochdruck

  • Diabetes Typ 2

  • Milde kognitive Störung (Mild cognitive impairment)

  • Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

  • Multiple Sklerose

  • Leichte Depression

  • Schlafstörungen (Intervallfasten)


Die breite Masse ernährt sich immer noch nach dem Motto "es muss schmecken". Wie kann man der Bevölkerung die Wichtigkeit der Ernährung nahelegen?

Es ist ein mühsamer Prozess, der aber vielleicht wie bei der Klimadiskussion irgendwann einen „Tipping-Point“ erreicht, indem die Menschen auch auf der emotionalen Ebene spüren, dass sich etwas ändern muss. Wir Menschen werden wohl nie nur aufgrund von rationaler Beweisführung unser Leben ändern, aber wenn wir fühlen und spüren, wie gut es für uns und unser Leben ist, dann kann sich etwas ändern. Letztlich bringt gute Ernährung auch mehr Lebensglück, das wird sich früher oder später auch als Erkenntnis durchsetzen. Ärzte und Ernährungsprofis sollten mutiger und klarer werden. Wenn man sich nur auf einen Allgemeinplatz wie „ausgewogene Ernährung“ zurückzieht, erreicht man kaum jemanden.


Am 3. März 2020 sprechen Sie zum Thema auf der Veranstaltung der MiBaMed Akademie. Was können die TeilnehmerInnen von der Veranstaltung erwarten?

Ich werde eine Übersicht geben über das was wir a) wissenschaftlich wie medizinisch derzeit vom Fasten wissen b) darlegen, welche Methoden wie praktisch umzusetzen sind c) Legenden wie „entschlacken“ und strittige Themen wie „Fasten bei Krebs“ beleuchten.


Sie meditieren täglich - wie haben Sie es geschafft, das in Ihr Leben zu integrieren? Was sind Ihre Tipps dazu für uns Vielbeschäftigte von heute?

Es ist wie auch bei der Ernährung: Statt nur zu „wollen“, einfach „tun“. Dann bekommt man den Benefit der guten Wirkungen und macht es aus diesem Grunde einfach weiter, der innere Schweinehund verliert an Kraft. Es geht übrigens ganz gut, wenn man regelmäßig im immer beschleunigteren Alltag innehält und sich fragt, um was geht es im Leben eigentlich? Es fällt uns auf diese Weise enorm leichter Prioritäten zu verändern.


Allen Fasten-Interessierten legen wir die Veranstaltung der MiBaMed Akademie "Fasten & Basen -perfect health?" am 3. März 2020 in München ans Herz. Hierlang geht's zur Registrierung.Wer mehr über Prof. Dr. Andreas Michalsen erfahren möchte, findet auf seiner Website alle Informationen.

Interview von Dr. Simone K. Frey


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