NÄHRWERT IM NETZ: Digitale Ernährungsberatung in Therapie und Prävention

Apps gehören zu unserem Alltag selbstverständlich dazu und finden als DiGAs ihren festen Platz im Gesundheitssystem. Der Trendreport Ernährung 2022 bestätigt dies und so landet die Digitale Ernährungsberatung in Therapie und Prävention auf Platz 3. In welchen Bereichen nutzen unsere Expertinnen und Experten digitale Lösungen und was erwartet die Verbraucherinnen und Verbraucher, lest ihr hier:

Trend 3: Digitale Ernährungsberatung in Therapie und Prävention © Tabea Mathern


30 Prozent der für den Trendreport befragten Ernährungsprofis beobachten eine Zunahme der digitalen Angebote in der ernährungspräventiven und ernährungstherapeutischen Beratung. Beschleunigt wird diese Entwicklung von der Corona-Pandemie, die viele Menschen aufgeschlossener gegenüber digitalen Lösungen gemacht hat. Langfristig wird die steigende Akzeptanz der digitalen Ernährungsberatung vom Megatrend Konnektivität und den damit

verbundenen Subthemen wie Sozialen Netzwerken, Playfulness, Omni-Channeling, digitaler Achtsamkeit und künstlicher Intelligenz vorangetrieben.


Ernährungstherapie und Ernährungsberatung – was ist der Unterschied?

Die Ernährungstherapie richtet sich an Kranke und erfolgt in enger Kooperation mit den behandelnden Ärztinnen oder Ärzten, um ernährungsmitbedingte Erkrankungen oder krankheits-bedingte Ernährungsprobleme zu behandeln. Im Fokus steht die Wiederherstellung der Gesundheit. Die Ernährungsberatung richtet sich an Gesunde und versteht sich als ganzheitlicher Ansatz zur Primärprävention und Gesundheitsförderung. Weitere Informationen finden sich in der Rahmenvereinbarung zur Qualitätssicherung in der Ernährungsberatung und Ernährungsbildung in Deutschland.


Zahlreiche Fachleute nutzen bei der Arbeit mit ihren Klientinnen und Klienten Apps, etwa um Nährwertprofile zu erfassen oder das Erlernen eines neuen Verhaltens zu unterstützen. Die digitalen Lösungen vereinfachen den Zugang zu zertifizierten Angeboten von Ernährungsexpertinnen und -experten und ermöglichen eine unkomplizierte, engmaschige Betreuung der Patienten- und

Verbraucherschaft. Diese Erfahrung macht auch die Diätassistentin und Ernährungswissenschaftlerin Hande Gagali, Mitgründerin der Podcasts Heiss&Rettich, im Rahmen ihrer Arbeit. Eltern wiederum möchten in den Bereichen Familienernährung, Ernährung in der Schwangerschaft und erste 1000 Tage optimal vorbereitet sein. Dazu nutzen sie vermehrt Coaching-Angebote, wie die Food-Journalistin und Ernährungsexpertin Dagmar von Cramm beobachtet.

 

Hier steht der vollständige Trendreport Ernährung 2022 zum Download zur Verfügung:

Trendreport Ernaehrung 2022
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Die Expertinnen und Experten berichten zudem, dass auch Hausärzte und Hausärztinnen immer öfter digitale Anwendungen wie Apps empfehlen und diese seit dem Jahr 2020 auch als „Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs)“ verschreiben können.


„Ich beobachte das vor allem in der Adipositastherapie sowie in der Typ-2-Diabetes-Therapie zur Ernährungsumstellung“, sagt die Ernährungsberaterin Anne Graßmann. Grundsätzlich kann man konstatieren: Die Aufgeschlossenheit gegenüber digitalen Behandlungsmöglichkeiten im Feld der ernährungsmitbedingten Erkrankungen nimmt nicht nur auf Seiten der Patientinnen und Patienten zu, sondern auch bei den Behandelnden. „Allein an der Anzahl der ausgeschriebenen Stellen für Diätassistentinnen und Diätassistenten im Bereich der digitalen Ernährungsberatung wird klar, dass hier ein großer Umbruch stattfindet“, sagt Dr. Daniel Buchholz, Leiter der Schule für Diätassistenten an der Universitätsmedizin Mainz.


Digitale Gesundheitsanwendungen

Seit Ende 2020 können ausgewählte Apps, sogenannte digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs), von Ärztinnen und Ärzten verschrieben werden. Bei DiGAs handelt es sich um „Apps auf Rezept“, die den hohen Qualitätsprüfungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte unterliegen. Patientinnen und Patienten haben bei vorliegenden Indikationen einen Anspruch auf diese Leistung. Alle zugelassenen DiGAs werden in einem zentralen DiGA-Verzeichnis gelistet. „DiGAs werden den Zugang zu Ernährungsberatung in Therapie und Prävention vereinfachen

und Transparenz in den Markt bringen“, ergänzt Uta Köpcke, Präsidentin des Verbandes der Diätassistenten - Deutscher Bundesverband e.V. (VDD).


„DiGAs werden den Zugang zu Ernährungsberatung in Therapie und Prävention vereinfachen und Transparenz in den Markt bringen.“ - Uta Köpcke

Im Rahmen des vermehrten Einsatzes digitaler Lösungen beobachten die Ernährungsprofis auch, dass Ernährungsberatungen vermehrt Teil des sogenannten „Life Coachings“ werden: „Die Faktoren, die nicht direkt mit der Ernährung verbunden sind, erweisen sich oft als zentrale Stellschrauben, um zu einer Verhaltensänderung zu gelangen. Die ganzheitliche Betrachtung des Wohlbefindens, physisch und psychisch, rückt in den Vordergrund“, sagt Juliane Isbrecht von der Akademie für Sport und Gesundheit. Auch Dr. Ann-Kristin Dorn, Ernährungswissenschaftlerin und Gründerin des FreeFrom Hero Festival, beobachtet dies insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit Lebensmittelintoleranzen, bei denen die Reflektion des subjektiv wahrgenommenen Leidenswegs auf Basis einfach aufbereiteter Informationen zu selbstwirksamen Verhaltensänderungen führe.


 

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Trendreport Ernährung 2022, der in Kooperation mit dem Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) konzipiert und erstellt wurde. Projektteam: Dr. Margareta Büning-Fesel, Eva Zovko, Harald Seitz (alle BZfE) sowie Dr. Simone Frey und Katharina Knoblich (Nutrition Hub).


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(v.l.n.r) Dr. Margareta Büning-Fesel, Eva Zovko, Harald Seitz (alle BZfE) sowie Dr. Simone Frey und Katharina Knoblich (Nutrition Hub).