Sigrid Lammersen - Ernährungsbildung und -beratung


Interview geführt von Lia

Liebe Sigrid, du bist studierte Oecotophologin und hast die letzten Jahre u. a. in der Ernährungsberatung für Krankenkassen und Kinder gearbeitet? Wie kam es dazu?

Da fängt es ja schon an ;-) Manchmal denke ich bin ein bunter Hund, ich bin immer am Thema Oecotrophologie dran, aber häufig in einer anderen Facette unterwegs.


Bis letztes Jahr habe ich bei einer Stiftung im Rahmen eines Projektes als Referentin für Bildungsmedien gearbeitet und war vorher in Kooperation mit einer Gesundheitswissenschaftlerin im Bereich Gesundheitsförderung für Krankenkassen an Kitas projektweise tätig und hatte mich berufsbegleitend als kommunale Gesundheitsmoderatorin weitergebildet.

Während des Studiums habe ich in Praktika die „klassische Ernährungsberatung“ der damaligen Zeit (- lacht) kennen gelernt. Als ich nach meinem Diplom 1995 immer mal wieder als Ernährungsberaterin für Krankenkassen oder für einen großen Anbieter von Abnehmkursen gearbeitet habe, nervte mich schon damals dieser mangelorientierte Blick. Jemand macht etwas falsch und muss nur das Richtige tun, um gesund und - warum auch immer – schlank zu sein.

Durch mein interdisziplinäres Diplomthema bin ich in den Bereich der beruflichen Bildung gekommen und in Umwegen auch mehr oder weniger dort geblieben. Erst habe ich als Bildungsreferentin bei einem Institut der Lebensmittelwirtschaft im Rahmen einer Schwangerschaftsvertretung gearbeitet. Zu meinen Aufgaben gehörten die Konzeption von lebensmitteltechnologischen Seminaren und Fachlehrgängen sowie die Wissenschafts-PR.

Besonders Spaß hat es mir gemacht, z.B. Autoklavenfahrern (diese Leute beschicken Autoklaven und waren in der Regel angelernte, aber nicht ungelernte Kräfte) Freude und Stolz für das tagtägliche Tun zu vermitteln; dass sie da, wo sie stehen, etwas Richtiges und Wichtiges im Sinne von z. B. Lebensmittelsicherheit tun.

Deswegen hat es mir nach der Familienphase im Kita-Bereich auch sehr viel Spaß gemacht, Köchen/Köchinnen, aber auch Erziehern, zusammen mit mehr Wissen und Kompetenzstärkung, auch zu mehr Stolz und Freude auf ihre tägliche Arbeit „zu verhelfen“. Das man dabei gleichzeitig etwas für eine bessere Ernährung von Kindern tut und gemeinsam die Rahmenbedingungen für die Arbeit der Erzieher, aber auch Ernährungsbildung konkret verbessert, war mein persönlicher Mehrwert.

In der Ernährungsbildung, den Gruppenberatungen oder Coachings, aber auch im Privaten, spüre ich immer wieder dieses verkrampfte Verhältnis zum Genuss, also auch wieder so eine Mangelfixierung. Das versuche ich bei den Leuten wieder zu lockern, denn Ernährung ist vor allem Essen und Trinken und hoffentlich gelebte Alltagskultur! Und bloß nicht zu viel Kopf!

Wie sieht eine normale Arbeits-Woche im Moment bei Dir aus?

Im Moment habe ich keine „normale Arbeitswoche“, da ich gerade an einer Buchidee feile, als Freie an einem Familienzentrum Ernährungsbildung im interkulturellen Bereich anbiete, als Dozentin für Volkshochschulen arbeite und durch eine private Umbruchssituation auf der Suche nach einer sozialversichungspflichtigen Stelle bin.

Wo hast Du studiert bzw. wo studierst du? Wie hat Dir das Studium gefallen?

Ich habe in Münster studiert. Klasse fand ich, dass ich nach dem Grundstudium dort fast alles machen konnte, was ich wollte, so zum Beispiel ein Praxissemester bei einem Verlagshaus in Hamburg und ein Auslandssemester in den Niederlanden.

Wie bist Du auf das Studium der Oecotrophologie gekommen?

Ich hatte nach der Oberstufe überhaupt keine Freude mehr am Lernen und habe dann, weil es sich anbot, eine Ausbildung in der Kommune gemacht. Erst dachte ich daran, Sozialpädagogik zu studieren. Durch eine Unverträglichkeit habe ich dann eine Oecotrophologin getroffen, deren Schilderungen mich auf das Fachgebiet Oecotrophologie gebracht haben. Erst einmal wollte ich ja nur verstehen, warum ich diese Hautirritation hatte und dann habe ich gemerkt, das es mir gerade Spaß macht, ein kleines Studium Generale zu absolvieren. Ich hätte es nie gedacht, aber Chemie und Physik waren plötzlich kein Problem mehr.

An der Uni Münster wurde darauf gesetzt, dass sich Studierende auf ihre USPs fokussieren sollten. Man konnte mit einem Prof. über die persönliche Studienorientierung reden und ich wäre wohl ohne diesen Impuls nie zu meinem weiteren Berufsweg gekommen. Reden hilft ;-)

Welche Passion hast Du für die Oecotrophologie? Was ist das Tolle an dem, was Du tust?

Gerade, dass die Oecotrophologie den Menschen, aber auch im weitesten und umfassenden Sinne Umwelt- und Lebensbedingungen mit im Blick hat, interdisziplinär und in Ansätzen systemisch denkt, finde ich klasse. Dann vor allem auch, wenn auch nur im Kleinen, etwas bewirken zu können. Die Oecotrophologen, die ich kenne, sind noch Jahrzehnte später von der Oecotrophologie begeistert, auch oder gerade, wenn es oft – sagen wir mal mal … anspruchsvoll ist und sie sich gegebenenfalls umorientieren müssen.

Zu guter Letzt, was würdest Du Berufseinsteigern aus unserem Fachbereich raten?

Macht, wozu ihr lustig seid!

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