Katharina Plehm - Ernährungstherapeutin im Vivantes Zentrum für Ernährungsmedizin


Katharina, Du bist Ernährungswissenschaftlerin und arbeitest als Ernährungstherapeutin im Zentrum für Ernährungsmedizin am Vivantes Klinikum Spandau - wie kam es dazu?

Nach meinem Master-Abschluss gab es die Möglichkeit in einem neuen jungen Team das „Zentrum für Ernährungsmedizin“ in den Berliner Vivantes Krankenhäusern aufzubauen. Dies hat mich als Berlinerin motiviert, selbst einen Beitrag für die Patientenversorgung meiner Heimatstadt zu leisten.

Wie sieht eine normale Woche im Moment bei Dir aus?

Wir kommen ins Büro und schauen uns am Computer die eingegangenen „Anforderungen“ an. Die Pflegekräfte und Ärzte stellen uns über das Computersystem ihre Anfragen. Wir schauen uns den Arztbrief und das Blutbild der Patienten an. Anschließend gehen wir auf die Stationen. Dort sprechen wir mit den Ärzten und der Pflege. Dann besuchen wir die Patienten und besprechen die aktuelle Situation. Unsere Empfehlungen schreiben wird als Befund in das Computerprogramm, sodass alle die Empfehlungen sehen können. Auch die ernährungsrelevanten Kodierungen vermerken wir dabei für die Abrechnung.

An einigen Tagen der Woche machen wir gemeinsam mit den Oberärzten der Stationen Visite. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ist zeitsparend und wissensfördernd, weil man sich direkt austauschen oder auch währenddessen die künstliche Ernährung ansetzen kann. Dazu kommen Termine mit den Homecare-Unternehmen, mit denen wir für unser qualitätsgesichertes Weiterleitungsmanagement zusammenarbeiten, um uns z. B. neue Produkte vorzustellen. In der ambulanten onkologischen Sprechstunde kommt es häufig vor, dass wir mangelernährte Patienten antreffen, die zu Hause künstliche Ernährung benötigen. Diese Patienten können wir durch unser Netzwerk optimal weiterleiten. Wir haben auch andere wöchentliche Sprechstunden, wie z. B. die Allergiesprechstunde oder die Ernährungsberatungen der bariatrischen Patienten. Außerdem halten wir Vorträge und bieten Schulungen für Patienten, Ärzte oder das Pflegepersonal an. .

Was ist das Tolle an Deinem Job?

Ich freue mich, dass wir im interdisziplinären Team mit den Ärzten und den anderen Therapeuten zusammenarbeiten und viel Wissensaustausch stattfindet. Es kommen immer neue Projekte auf, die den Alltag sehr abwechslungsreich gestalten. Wir sind ein junges dynamisches Team, dadurch kann man all seine Ideen einbringen.

Was magst Du nicht so gern?

Leider muss man sich als Ernährungstherapeutin häufig rechtfertigen und Ernährungsmedizin als Fachbereich verteidigen. Ich finde es schade, immer wieder erklären zu müssen, wie breit wir aufgestellt sind, dass Adipositas- und Diabetesberatung nur einen Teilbereich unserer Arbeit ausmachen.

Wo hast Du studiert? Und wie hat Dir das Studium gefallen?

Nach meinem Abitur in Berlin bin ich zum Bachelor-Studium nach Wien gegangen, um dort Ernährungswissenschaften zu studieren. Wien zählt zu den lebenswertesten Metropolen der Welt. Das kann ich nur bestätigen, ich habe es geliebt an der Donau zu liegen und dort zu lernen. Für meinen Master bin ich nach Stuttgart gegangen, um dort den M. Sc. in Ernährungsmedizin in dem schönen Universitätsschloss von Hohenheim abzuschließen. Das tolle am Master war, dass ich das gesamte zweite Jahr im Robert-Bosch-Krankenhaus praktisch für meine Masterarbeit nutzen konnte.

Wie bist Du auf das Studium gekommen? Als Jugendliche hatte ich ein Gespräch mit einer Ernährungsberaterin, das mich fasziniert hat. Danach hatte ich den Wunsch Ernährungswissenschaften zu studieren und in einer Reha-Einrichtung oder einem Krankenhaus zu arbeiten. Ich möchte den Leuten zeigen, wie sie durch gesunde Ernährung, angepasst an ihre eigenen Bedürfnisse und Unverträglichkeiten, ihre Ernährung so umstellen können, dass sie eine Verbesserung ihrer Lebensqualität spüren und einen Weg finden diese Ernährung in ihren Alltag einzubauen. Besonders bemerke ich diesen Effekt bei meinen Allergiepatienten, die mit Nahrungsmittelallergien oder –intoleranzen meist einen großen Leidensdruck haben. Wenn ich ihnen zeigen kann und sie merken, wie sehr eine Ernährungsumstellung ihnen hilft, dann hatte ich einen guten Tag.

Was findest Du an Nutrition Hub gut?

Die Medienpräsenz, die Community mit der Vernetzung und eure T-Shirts, die finde ich wirklich lustig.

Was können Ernährungsexperten richtig gut deiner Meinung nach?

Meiner Meinung nach sind wir sehr gut ausgebildet, um interdisziplinär zu arbeiten. Durch unser abwechslungsreiches Studium (Biologie, Physiologie, ein bisschen Agrarwissenschaften, ein bisschen Psychologie und Statistik…) haben wir ein Gespür dafür, welche andere Disziplin dem Klienten vielleicht auch noch weiterhelfen könnte. Ich denke, es ist wichtig als Fachkraft in den Medien das aktuelle ernährungswissenschaftliche Wissen zu vermitteln, z. B. in Artikeln zu aktuellen Ernährungstrends wissenschaftlich Stellung zu nehmen. Damit nicht noch eine 90-jährige Omi auf ihr selbstgebackenes Lieblingsbrot verzichten muss, weil sie gerade eine Reis-Diät macht.

Wer ist Dein Vorbild und wie inspiriert dich das Vorbild?

Aktuell ist das Frau Prof. Dr. Norman. Sie hat in Wien Ernährungswissenschaften studiert und ist Leiterin verschiedener Forschungsprojekte an der Charité in Berlin und im DIfE in Potsdam. Sie hat ebenfalls die Idealvorstellung, durch ihre Forschung zu zeigen, dass Ernährungswissenschaften etwas bewirken kann. Es ist schön zu sehen, wenn andere sich so für das Fach engagieren und damit so erfolgreich sind. Ich hoffe mit den Daten die wir in unseren Krankenhäusern generieren auch sinnvolle Beiträge dazu leisten zu können.

Und hier geht es zum Zentrum für Ernährungsmedizin. Wer Lust hat, mit Katharina in Kontakt zu treten, hier ist ihre E-mail-Adresse katharina.plehm@vivantes.de oder ihr XING-Profil.

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