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Carolin Margraf – erfolgreich selbstständig


Die wunderbare Mona, die Nutrition Hub seit einigen Monaten tatkräftig unterstützt, hat vor kurzem ihre Studienkollegin Caro interviewt, die sich nach dem Bachelor selbstständig gemacht hat.#

Mona: Caro, du bist Ernährungswissenschaftlerin und hast dich nach dem Bachelor selbstständig gemacht. Wie kam es dazu?

Caro: Der Master kam für mich erstmal nicht in Frage. Ich wollte unbedingt wieder zurück in die Arbeitswelt, da ich vor dem Studium schon zwei Jahre als Kinderkrankenschwester gearbeitet habe. Deshalb habe ich nach Beendigung meines Studiums unter Hochdruck nach Stellen gesucht. Es folgten tagelanges Suchen im Internet, Bewerbungen, Vorstellungsgespräche, enttäuschte Erwartungen und Absagen…Nach einem halben Jahr und am Punkt der maximalen Verzweiflung, rief mich jedoch die Chefin des Ernährungsinstituts an, bei welchem ich ein Jahr zuvor mein Praxissemester verbracht hatte: Eine Ökotrophologin, die dort arbeitete, verließ das Institut nach sieben Jahren. Ich konnte mein Glück kaum fassen! Allerdings arbeiteten alle Mitarbeiter dort auf freiberuflicher Basis. Mit dem Gedanken, mich selbstständig zu machen, hatte ich mich noch gar nicht auseinandergesetzt und das war somit bis dato keine Option. Als Berufseinstieg? Und der ganze Versicherungskram? Bloß nicht… Aber ich wurde dann sozusagen ins kalte Wasser geworfen. Die Selbstständigkeit eröffnet mir viele Möglichkeiten, verschiedene Projekte und Jobs zu übernehmen oder zu partizipieren und unterschiedliche Interessen zu verwirklichen. Die Freiheit, die man durch diese Berufsform bekommt, wiegt den Papierkram und das Organisationschaos, durch das man sich anfangs schlagen muss, wieder auf.

Wie sieht eine typische Woche bei dir aus? Was gefällt dir besonders an deiner Arbeit?

Eine typische Woche gibt es bei mir kaum. Durch die Selbstständigkeit habe ich die Möglichkeit, neben der Arbeit im Ernährungsinstitut, in verschiedenen Firmen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement zu arbeiten. Außerdem versuche ich mich an eigenen Projekten und Workshops, habe meine Backleidenschaft zu einem kleinen Business gemacht und gehe weiterhin in Teilzeit meinem Job als Kinderkrankenschwester nach (alles zusammen findet man auch auf www.ratundtarte.de). Somit kann sich eine Woche bei mir aus Büro, bayernweiten Workshops und Vorträgen, Abnehmkursen, Homeoffice, Krankenhaus und Backen zusammensetzen. Die eine Woche kann super vollgestopft sein mit sieben Arbeitstagen am Stück inklusive drei Reisetagen in verschiedene Städte, die andere Woche kann ganz entspannt mit zwei Arbeitstagen im Ernährungsinstitut und einem im Krankenhaus aussehen. Und genau das gefällt mir sehr an meiner Arbeitsweise. Jeder Tag und jede Woche sieht anders aus. Es ist immer spannend und abwechslungsreich. Ich bin viel in Kontakt und lerne dadurch viele neue Leute kennen. Ein typischer 9-5 Bürojob wäre für mich nichts mehr.

Wie bist du auf das Studium der Ernährungswissenschaft gekommen? Welche Passion hast du für die Ernährungswissenschaft?

Das hab ich mich schon oft gefragt. Aber ich vermute, die Passion für die Ernährungswissenschaft ist mir mitgegeben wie die Augen- oder Haarfarbe. Ich habe mich schon immer viel mit Ernährung auseinandergesetzt, habe viel gekocht und gebacken. Im Laufe der Zeit habe ich mich auch immer mehr dafür interessiert, welcher Nährstoff was im Körper macht, welcher Benefit dabei herauskommt, was man in medizinischer Hinsicht alles mit Ernährung machen kann… Für mich stand schnell fest, dass ich einen abwechslungsreichen Beruf mit viel Praxis und Menschenbezug will. Vor 10 Jahren, als ich Abi gemacht habe, wusste ich gar nicht, dass es das Studium „Ernährungswissenschaften“ gibt. Wie fast jedem Abiturienten fiel mir dieses grüne Studien- und Berufswahl-Buch in die Hand. Es war total verrückt! Beim Durchblättern stieß ich auf die Seiten über Ernährungswissenschaften….mein Herz fing sofort an zu pochen und ich wusste in dem Moment, dass ich genau das studieren will. Was ich dann mit ein paar kleinen Umwegen auch gemacht und nie bereut habe.

Wo hast du studiert und wie hat dir das Studium gefallen? Welchen Schwerpunkt hast du gewählt?

Ich habe Ernährungswissenschaften an der Uni Gießen studiert und war wirklich zufrieden, was das Studium angeht. Davor habe ich mich aber auch intensiv informiert, wie das Studium aufgebaut ist. Die Uni Gießen strukturiert den Studiengang nicht nur mit Fokus auf die chemische Seite, sondern beleuchtet die Ernährungswissenschaften von allen Seiten (VWL/BWL, Anatomie, Biochemie, Physik, Pathophysiologie, wissenschaftliches Arbeiten…). Auch wenn ich in den ersten beiden Semestern etwas irritiert war, was die ganzen Module mit Ernährungswissenschaften zu tun haben sollen, baut das Studium gut aufeinander auf und ich wurde in den kommenden Semestern mit der geballten Ernährungswissenschaft belohnt. Es war auch super, dass es möglich ist, durch ein Praxissemester ECTS zu bekommen. Außerdem kann man fast 50% der Module selbst wählen und somit sein Studium sehr individuell gestalten. Zu meinen Zeiten war die Uni Gießen auch die einzige Hochschule Deutschlands, die eine Professur für Beratung und Prävention hatte. Daneben habe ich viele Module aus der Ernährungsmedizin gewählt. Es ist aber ebenso möglich, das Studium wirtschaftlich auszurichten oder wissenschaftliches Arbeiten zu vertiefen.


Was würdest du Berufseinsteigern raten? Was war für dich am Berufseinstieg die größte Herausforderung?

Nicht die Geduld zu verlieren! Jeder kommt mal an den Punkt, an dem er denkt: „Ich werde nie einen Job finden“. Aber letztendlich wird vielleicht ein besserer Job kommen, als man erwartet hätte und man schnuppert vielleicht auch in andere ernährungswissenschaftliche Bereiche, die man sonst gar nicht in Erwägung gezogen hätte. Das war für mich auch eine große Überwindung: Von meinem geplanten Weg abkommen und schauen, was es sonst noch so gibt…das hieß für mich primär, ich muss meine Träume aufgeben. Letztendlich hat sich aber alles als sehr positiv herausgestellt: Ich wollte immer in die Ernährungsmedizin, arbeite jetzt jedoch auch viel im Nachhaltigkeitsbereich, was sich als weitere Passion herausgestellt hat. Was auch super wichtig ist: Praktika machen! Da können sich so manche Türen öffnen!

Vielen Dank für Deine Zeit und Deine spannenden Einblicke liebe Caro! Und viel Erfolg für die Zukunft!

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